Weihnachtsmann, Christkind und Nikolaus: Im Dezember sind gleich mehrere Gestalten unterwegs, die Geschenke verteilen, am Heiligabend bei den Menschen vorbeischauen oder smit einer Rute bewaffnet, böse Kinder tadeln. Einer der drei wird allerdings immer wieder mit einer Marke verbunden. Es hält sich nämlich hartnäckig das Gerücht, dass Coca Cola den Weihnachtsmann erfunden hätte. Handelt es sich hierbei wirklich um ein Gerücht oder ist das christliche Weihnachtsfest ebenfalls durch cleveres Marketing torpediert worden? Das hörst du in der Weihnachtsfolge von Marketing-GeschichteN.



Der heilige Nikolaus von Myra

Wenn wir dem Weihnachtsmann und seine Entstehung nachvollziehen möchten, müssen wir zunächst beim Nikolaus anfangen – genauer gesagt beim heiligen Sankt Nikolaus von Myra. Um diese historisch nur schwer nachvollziehbare Figur ranken sich hauptsächlich in Europa viele Mythen und Legenden. 

Der heilige St. Nikolaus von Myra ist zwischen 270 und 286 geboren worden und lebte bis zum 6. Dezember im Jahr 326, 345, 351 oder 365. Die Stadt Myra liegt in Lykien, das zur Lebzeit des Bischofs zum griechischsprachigen Teil des Römischen Reichs gehörte. Heute heißt Myra Demre und liegt ungefähr 100 km südwestlich von Antalya in der Türkei.

Viele Belege für die historische Person hinter Sankt Nikolaus gibt es nicht. Um die Figur ranken sich aber viele Legenden, die wahrscheinlich nicht nur auf einer Person basieren, sondern auf mehreren. Es ist also so, dass verschiedene historische Personen zu dem Bild eines Heiligen verschmolzen sind. 

Der heilige Sankt Nikolaus soll Seeleute und Kinder gerettet, Unschuldige vor der Hinrichtung bewahrt und sogar Tote durch seine Gebete wieder zum Leben erweckt haben. Eine Legende sticht allerdings besonders hervor, da sie an den Nikolaus-Tag erinnert. Diese Legende lautet verkürzt folgendermaßen: 

Ein verarmter Mann wollte seine drei unverheirateten Töchter zur Prostitution zwingen, da er diese nicht verheiraten konnte. Der Grund: Er hatte keine Mitgift für sie. Nikolaus erfuhr davon und warf drei Nächte hintereinander einen Goldklumpen durch das Fenster in das Zimmer der Töchter. So konnten diese vor der Prostitution bewahrt werden. Aufgrund dieser Legende wird der Heilige oft mit drei goldenen Kugeln oder Äpfeln als ikonografischen Heiligenattribut dargestellt. 

Zwei Figuren werden zu einer: Der Weihnachtsmann bringt sowohl Geschenke als auch die Rute

In vielen Gegenden kommt der Nikolaus aber nicht allein, sondern hat noch ein Gegenstück mit dabei. Ursprünglich hieß es, dass ihn ein gezähmter Teufel oder Satan begleite, der die unartigen Kinder bestraft. Knecht Ruprecht, Krampus und viele andere – auch problematische – Gestalten, die als Gegenstück zum heiligen Sankt Nikolaus mit ihm zusammen bei den Kindern zu Hause einkehren. Wichtig ist, dass der spätere Weihnachtsmann beide Eigenschaften, also die des guten Geschenke verteilenden Heiligen und die des bestrafenden Gegenspielers, in sich vereint. 

New York: Der Weihnachtsmann in Amerika

Der Weihnachtsmann wurde aber erst in Amerika zu Santa Claus. Dabei haben ihm vermutlich vor allem Auswandernde aus den Niederlanden geholfen. Diese verbreiteten den Nikolaus-Brauch in ihrer Kolonie Nieuw-Nederland, die von 1627 bis 1676 bestand und sich rund um das Gebiet des heutigen Manhattan erstreckte. Besonders in New-Amsterdam, das wir jetzt besser als New York kennen, und das von 1624 bis 1664 Verwaltungssitz der Kolonie war, wurde das Sinterklaasfeest gefeiert. Aus Sinterklaas ist dann irgendwann Santa Claus geworden. 

In den USA nahm die Ausgestaltung des Weihnachtsmannes, so wie wir ihn heute in der Werbung oder in Kinofilmen sehen, erst so richtig Fahrt auf. Dazu beigetragen hat vor allem das 1822/23 veröffentlichte Gedicht „Twas the night before Christmas“, in dem Santa Claus in einem Schlitten umherreist, durch den Kamin kommt und Geschenke verteilt. 

Von Santa Claus, dem Weihnachtsmann oder Sankt Nikolaus gab es viele Zeichnungen von vielen begabten Menschen, die aber alle sehr unterschiedlich aussahen. Von einer elfenhaften Darstellung über einen Greis bis hinzu unterschiedlichen Kostümfarben war alles mit dabei. Der erste Entwurf, der als Vorlage für unseren heutigen Weihnachtsmann, mit dickem Bauch, weißem Bart, rotem Anzug und Zipfelmütze gelten kann, stammt von dem Karikaturisten Thomas Nast. Die bekannteste Zeichnung von Nast stammt aus dem Jahr 1881. Auf ihr sieht man einen alten, rundlichen Mann, mit einem Rauschebart, einer Pelzjacke, einer Pfeife und sehr vielen Spielsachen unter dem Arm. Als Nast später gebeten wurde, seine Zeichnungen einzufärben, wählte er für das Kostüm die Farben rot und weiß aus.

Coca-Cola und der Weihnachtsmann 

Seit 1931 ist der Weihnachtsmann ein fester Bestandteil der Weihnachtskampagnen der Coca Cola Company.  Das charakteristische Aussehen des Weihnachtsmanns, so wie wir ihn aus der Werbung kennen, verlieh ihm der Grafiker und Cartoonist Haddon Hubbar Sundblom, auch “Sunny Sundblom” genannt. Er zeichnete den Weihnachtsmann nicht nur basierend auf vorherigen Darstellungen, wie der von Thomas Nast zum Beispiel, sondern bezog auch das Gedicht „Twas the Night before Christmas“ mit ein. Er soll auch ein ganz reales Vorbild gehabt haben: seinen Nachbarn, Louis Prentiss,  ein ehemaliger Coca-Cola-Verkäufer.

Was ist aber so besonders an dem Coca-Cola-Weihnachtsmann? Der Santa Claus, den Sundblom schaffte, wirkt freundlich, ein wenig plump, aber vor allem eines: menschlich. Die Kund*innen konnten sich mit der Figur des Weihnachtsmannes, der auch mal selbst mit den Spielsachen spielt, die er eigentlich ausliefern sollte, identifizieren.

Zusätzlich schaltete die Firma in sehr vielen populären Magazinen, wie dem National Georaphic, Dem New Yoker oder der Saturday Evening Post Anzeigen. So war der Weihnachtsmann, wie in Sundblom schaffte, bald überall zu sehen. Kurze Randnotiz: Die Annahme, dass der Weihnachtsmann nur rot-weiß gekleidet sei, weil das die Coca-Cola-Farben sind, ist falsch. Wie bereits beschrieben, wurde der Weihnachtsmann schon vor der Gründung des Unternehmens auch in diesen Farben dargestellt. 

Also: Hat Coca-Cola nun den Weihnachtsmann erfunden? Darauf kann man mit einem eindeutigen Nein antworten. Allerdings hat Coca-Cola die Figur des Weihnachtsmanns und sein Aussehen vor allem in Amerika nachhaltig geprägt und vereinheitlicht.


Die Geschichte rund um Coca Cola und en Weihnachtsmann ist hier nur sehr verkürzt dargestellt. Am besten hörst du dir die vierte Folge von Marketing-GeschichteN an, da bekommst du alle Infos.


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Eine Antwort zu „Hat Coca Cola den Weihnachtsmann erfunden?“

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