Tupper: Ist die Party endgültig vorbei?

Das US-amerikanische Unternehmen Tupperware ist insolvent. Das mag für viele ein Schock sein – schließlich ist Tupper deutsches Kulturgut! Vom Aufstieg und Fall der Wunderschüssel – und einer Frau, die die Party ins Rollen brachte.

Tupperware – der Name selbst ruft bei vielen nostalgische Erinnerungen an die berühmten „Tupperpartys“ der 70er und 80er Jahre hervor. Doch hinter diesem Kultprodukt steckt eine Geschichte von Innovation, cleverem Marketing und einem bemerkenswerten Wandel in der Konsumkultur. 

Der Ursprung von Tupperware: Ein Chemiker mit einer Vision

Die Geschichte von Tupperware beginnt in den späten 1940er Jahren in den USA, als der Chemiker Earl Silas Tupper aus Massachusetts die Earl S. Tupper Company gründete. Tupper war ein talentierter Erfinder, der während seiner Zeit bei DuPont die Vielseitigkeit von Polyethylen entdeckte, einem flexiblen und durchsichtigen Kunststoff, der damals noch nicht weit verbreitet war.

1946 entwickelte er die erste „Wunderschüssel“, eine luft- und wasserdichte Vorratsdose mit einem innovativen Sicherheitsverschluss. Das Besondere an diesem Produkt war nicht nur das Material, sondern auch die Tatsache, dass es eine einfache und hygienische Möglichkeit bot, Lebensmittel aufzubewahren – eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu den damals üblichen Glasbehältern oder Einmachgläsern.

Der Durchbruch: Die Erfindung der Tupperparty

Trotz der technischen Innovation blieb der Verkauf zunächst hinter den Erwartungen zurück. Tupperware war ein revolutionäres Produkt, doch der herkömmliche Vertrieb über den Einzelhandel funktionierte nicht wie erhofft. Der wahre Durchbruch kam erst, als Brownie Wise, eine talentierte Verkäuferin, das Konzept der Tupperpartys einführte.

Wise hatte die Idee, Tupperware über private Home-Partys zu verkaufen, bei denen Gastgeberinnen ihre Freundinnen und Bekannten einluden. Diese Partys schufen eine entspannte Atmosphäre, in der die Produkte nicht nur präsentiert, sondern auch getestet werden konnten. Die Gäste konnten die Dosen anfassen, den Verschluss ausprobieren und sich von der Qualität überzeugen – eine klassische „Hands-on“-Verkaufsstrategie, die die Kaufentscheidung erheblich erleichterte.

Schwarzweißfoto von Brownie Wise, der Erfinderin der Tupperpartys, mit einem freundlichen Lächeln, die in einem eleganten Outfit posiert.
Brownie Wise, die Erfinderin der Tupperparty

Das Konzept der Tupperparty war ein Meisterwerk des Empfehlungsmarketings. Statt über den Einzelhandel zu verkaufen, setzten Tupperware und Wise auf den Direktvertrieb. Die Gastgeberinnen bekamen Geschenke oder Rabatte, was sie motivierte, immer wieder neue Partys zu veranstalten und so das Netzwerk stetig zu vergrößern. Zudem entstand durch den persönlichen Kontakt und den sozialen Druck – das sogenannte „Social Proof“ – eine starke Bindung an das Produkt. Wenn andere auf der Party kauften, fühlte sich auch der restliche Kreis motiviert, zuzugreifen.

Dieses Modell erwies sich als enorm erfolgreich, und bis 1954 erzielte Tupperware einen Jahresumsatz von 25 Millionen US-Dollar. Die Tupperpartys wurden zur dominierenden Verkaufsstrategie für das Unternehmen.

Der steile Aufstieg und das abrupte Ende von Brownie Wise

Brownie Wise, die als Erfinderin des Tupperparty-Konzepts galt, erzielte phänomenalen Erfolg in ihrem Verkaufsgebiet und wurde schließlich zur Leiterin der Verkaufsabteilung und Vizepräsidentin der Tupperware House Partys. Doch ihre Erfolgsgeschichte endete 1958 abrupt, als sie ohne offizielle Begründung von Earl Silas Tupper entlassen wurde. Er fürchtete, dass die Verkäuferinnen eher loyal zu Brownie Wise als zur Marke Tupperware selbst wurden.

Trotz dieses Rückschlags blieb das Unternehmen auf Erfolgskurs. Die Tupperpartys setzten sich weltweit durch, und das Unternehmen expandierte international.

Tupperware in Deutschland: Ein beispielloser Boom

Tupperware startete 1962 in Deutschland und erlebte in den folgenden Jahrzehnten einen unglaublichen Boom. Die Tupperpartys wurden auch hierzulande zum sozialen Ereignis und trugen entscheidend zur Popularität der Marke bei. In den 1990er Jahren wurden auch neue Vertriebswege erschlossen, darunter der Direktverkauf über Kataloge und später auch Online-Plattformen. Doch auch in Deutschland begann das Unternehmen mit den Herausforderungen des Marktes zu kämpfen.


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Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts und der Rückgang von Tupperware

Die Verkaufszahlen von Tupperware begannen ab den 2000er Jahren zu sinken. Mehrere Faktoren spielten dabei eine Rolle:

  1. Veränderte Lebensgewohnheiten: Der Eintritt von immer mehr Frauen in den Arbeitsmarkt führte dazu, dass weniger Zeit für Hauspartys und das traditionelle Kochen blieb.
  2. Wachsende Konkurrenz: Neue Anbieter drängten mit günstigeren und oft innovativeren Produkten auf den Markt.
  3. Digitalisierung: Der Aufstieg des Online-Handels veränderte das Konsumverhalten der Käufer, während Tupperware lange Zeit auf das traditionelle Direktvertriebsmodell setzte.

Der dramatische Wendepunkt: Insolvenz und Rückzug

Im September 2024 meldete die Tupperware Brands Corporation Insolvenz an. Die Schulden des Unternehmens beliefen sich auf mehr als 700 Millionen US-Dollar, und Tupperware suchte nach Möglichkeiten zur Restrukturierung. Ein drastischer Schritt folgte: Das Unternehmen zog sich aus mehreren europäischen Märkten, darunter auch Deutschland, zurück. Im Januar 2025 stellte die deutsche Tochtergesellschaft ihren Betrieb ein, und rund 200 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. Zudem verloren die Kunden ihre Garantieansprüche auf die Produkte.



Was bleibt? Die Zukunft von Tupperware

Obwohl die Marke und ihre legendären Tupperpartys im Moment eine schwere Krise durchlaufen, gibt es noch Hoffnung. Laut Reuters ist Tupperware auf der Suche nach neuen Investoren, um möglicherweise einen Neuanfang zu wagen. Es bleibt also abzuwarten, ob Tupperware in der Zukunft wieder aufblühen wird – oder ob das Kapitel der „Wunderschüssel“ endgültig geschlossen ist.

Fazit: Die Bedeutung von Anpassung und Innovation

Die Geschichte von Tupperware zeigt eindrucksvoll, wie wichtig es ist, sich kontinuierlich anzupassen und auf Veränderungen im Konsumverhalten zu reagieren. Das Unternehmen war einst ein Symbol für Innovation, Gemeinschaft und cleveres Marketing, doch wie viele Traditionsmarken musste auch Tupperware die Herausforderungen eines sich wandelnden Marktes bewältigen. Die Tupperpartys und die Idee des Direktvertriebs sind längst Geschichte, doch die Geschichte von Tupperware bleibt ein faszinierendes Beispiel für erfolgreiches Marketing und die Bedeutung der Markenbindung.

Wird die Marke in der Zukunft noch einmal aufleben? Die Reise der Tupperware ist noch lange nicht zu Ende – vielleicht steht uns ja ein überraschendes Comeback bevor.


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